FAQs – Häufig gestellte Fragen

Ist die Gebärdensprache international?

Nein, Gebärdensprache ist keine erfundene Kunstsprache, sie ist nicht in allen Ländern der Welt gleich und die Gebärdensprachen haben in der jeweiligen nationalen Form eigene Vokabel und auch eine eigene Grammatik und Syntax. Durch das natürliche Wachstum jeder Gebärdensprache gibt es Dialekte und Soziolekte (Generationsunterschiede in der Sprachbenützung) wie bei allen Lautsprachen.

Die Bezeichnungen für Gebärdensprachen werden normalerweise abgekürzt, z.B. ÖGS für Österreichische Gebärdensprache, DGS für Deutsche Gebärdensprache oder BSL für British Sign Language.

Zur Verständigung im internationalen Raum verwenden Gehörlose immer häufiger ASL (American Sign Language) – ähnlich wie Hörende, die Englisch als Zweitsprache benützen.

 

Was ist dann die „internationale Gebärdensprache“?

Hierbei handelt es sich keine Sprache im eigentlichen Sinn. Denn die Internationale Gebärde (International Signs – IS) ist keine eigene natürlich gewachsene Gebärdensprache, sondern vielmehr ein Sprachsystem. Diese Art der Kommunikation ist ursprünglich in den sechziger und siebziger Jahren entstanden und kommt bei großen Veranstaltungen und Kongressen zum Einsatz. Damit wurde jenen Gehörlosen, die nicht auf eigene GS-DolmetscherInnen ihres Landes zurückgreifen konnten, zumindest ein rudimentärer Zugang zu den Themen und Inhalten gewährleistet.

Bei der internationalen Gebärde werden verschiedene gängige Vokabeln aus unterschiedlichen Gebärdensprachen entlehnt und basierend auf dem visuell-gestischen Code, den alle Gebärdensprachen benützen, verwendet. Die nonverbalen Aspekte der gebärdensprachlichen Kommunikation treten dabei  besonders stark in den Vordergrund.


Benötige ich eine soziale Ausbildung, um GebärdensprachdolmetscherIn zu werden?

Nein. Der Beruf des/der GebärdensprachdolmetscherIn erfordert in erster Linie das Interesse an Sprache – an der Gebärdensprache und der deutschen Sprache und natürlich am Prozess des Dolmetschens. Da gehörlose Menschen in der Öffentlichkeit leider immer noch häufig „nur“ oder „ausschließlich“ als Behinderte wahrgenommen werden, so wird immer wieder fälschlicherweise angenommen, dass GS-DolmetscherInnen als Begleitpersonen oder FürsprecherInnen auftreten.

Das hat auch historische Gründe. Anfangs fungierten hauptsächlich Familienmitglieder oder GehörlosenlehrerInnen und kirchliche Personen wie z.B. Geistliche oder SeelsorgerInnen als „DolmetscherInnen”.

Selten waren diese Hilfestellungen mit einer professionellen Dolmetschung vergleichbar. Jene Personen hatten, abgesehen von ihren mehr oder minder vorhandenen Kenntnissen in der Gebärdensprache, keinerlei Ausbildung als DolmetscherInnen zu arbeiten oder einen professionellen Zugang zum Beruf. Dadurch wurde oft nicht auf Unparteilichkeit, auf das Recht des Gehörlosen auf eine vollständige Übersetzung etc. geachtet. Vorrangig waren es Menschen die aufgrund ihrer Bilingualität mehr oder weniger freiwillig hinzugezogen wurden um Kommunikationsbarrieren zu überwinden, wie es auch oft bei Kindern von MigrantInnenfamilien der Fall ist.

Gehörlose Menschen in aller Welt greifen mittlerweile verstärkt auf professionelle GS – DolmetscherInnen zurück und wollen so ihr Leben selbstbestimmt und selbstbewußt leben.


Ist Gebärdensprache schwer zu erlernen?

Der Erwerb einer Gebärdensprache ist vergleichbar mit dem Erwerb einer Lautsprache. Er ist abhängig von der Sprachbegabung und dem zeitlichen und persönlichen Einsatz des/der Lernenden. Im Speziellen muss für den Erwerb einer Gebärdensprache eine Begabung bezüglich visuell-motorischer Fähigkeiten vorhanden sein.

 

Haben GS-DolmetscherInnen immer „Betroffene“ in der Familie?

Nein. Einige der geprüften GebärdensprachdolmetscherInnen haben einen familiären Hintergrund, sprich gehörlose Personen in der Kernfamilie (und werden somit CODA – Children of Deaf Adults genannt). Sie sind durch die natürlich erworbene Gebärdensprachkompetenz auf den Beruf der GebärdensprachdolmetscherIn gekommen. Es gibt jedoch eine Vielzahl von DolmetscherInnen, die aus den unterschiedlichsten anderen Gründen (Interesse an Gebärdensprache, Gehörlosengemeinschaft etc.) Gebärdensprache gelernt und den Berufsweg zur GebärdensprachdolmetscherIn eingeschlagen haben.

 

Warum sollte ich auf die Dienstleistung Gebärdensprachdolmetschen zurückgreifen?

Natürlich können gehörlose Menschen in der Regel auch direkt mit hörenden Personen kommunizieren. Die Annahme, dass Gehörlose alle Inhalte eines Gesprächs über das Lippenablesen verstehen können, ist aber grundsätzlich falsch!
Wissenschaftliche Studien belegen, dass eigentlich nur maximal 30% abgelesen und verstanden werden. Die restlichen Inhalte muss sich die gehörlose Person über den Kontext und das gerade „vermutete“ Thema sozusagen „zusammenreimen“. Das es dabei häufig zu Missverständnissen mitunter auch zu schwerwiegenden Verständigungsschwierigkeiten kommen kann, ist immanent!

Daher empfiehlt es sich bei allen wichtigen Terminen ÖGS-DolmetscherInnen hinzuzuziehen, um eine hundertprozentige und reibungslose Kommunikation zu sichern.

 

Warum sind manchmal zwei ÖGS-DolmetscherInnen notwendig?

GebärdensprachdolmetscherInnen arbeiten in der Regel in der Technik des Simultandolmetschens. Das  erfordert ein hohes Maß an Konzentration – wie bei allen Dolmetschprozessen (auch zwischen den gesprochenen Sprachen).

Ab einer Zeitdauer von einer Stunde müssen zwei ÖGS-DolmetscherInnen zum Einsatz kommen, um die Qualität einer professionellen Dolmetschung zu gewährleisten und eine flüssige und problemlose Kommunikation zu ermöglichen.

Je Einsatzgebiet, besonders aber bei einer sehr starken Informationsdichte oder einer sehr komplexen Thematik, kann auch bei kürzeren Terminen eine Doppelbesetzung notwendig sein. Die DolmetscherInnen wechseln sich hier im Team ab (z.B. alle 15 – 20 Minuten) wobei die „unterstützende“ Dolmetscherin aber ebenso am Dolmetschprozess beteiligt ist und den/die gerade „produzierende/n“ Kollegen/in unterstützt.

Je nach Termin, z.B. bei großen Veranstaltungen und Kongressen, kann ein Team auch aus drei oder mehr DolmetscherInnen bestehen.