Arbeitsbereiche

ÖGS-DolmetscherInnen arbeiten heute in vielen unterschiedlichen Bereichen. Die Palette reicht vom Arztbesuch über Gerichtstermine, Vorträge und Konferenzen bis zu Religiösen Veranstaltungen oder Fernsehsendungen.

Jedes Setting hat bestimmte Besonderheiten und erfordert spezielle Fähigkeiten und Vorbereitungen der DolmetscherInnen.

 

Ein kurzer Überblick:

Community Interpreting (Kommunaldolmetschen)

Das sind Dolmetscheinsätze

• bei Ämtern und Behörden

• im medizinischen Bereich (z.B. Arztbesuche, Notaufnahme im Krankenhaus, Geburtsvorbereitungskurse u.ä.)

• im Bereich Psychologie und Psychiatrie (Psychotherapie, Gruppentherapie, Familientherapie u.ä.)

• im Sozialbereich (Beratungsgespräche, SchuldnerInnenberatung u.ä.)

• in der Arbeitswelt (Betriebsversammlungen, Dienstbesprechungen, Bewerbungsgespräche u.ä.)

• im Bereich Schule (Elternabende, Elternvereinssitzungen, Sprechtage u.ä.)

• in der Wirtschaft (Bankgeschäfte, Verkaufsgespräche u.ä.)

• in der Politik (politische Versammlungen, politische Reden, Gespräche mit PolitikerInnen u.ä.)

• bei religiösen Settings (Messe, Taufe, Hochzeit u.ä.).Community

 

 

Bildungsdolmetschen

• Pflichtschulen

• Höhere Schulen

• Berufsschulen

• Fachschulen

• Akademien und UniversitätenErwachsenenbildung

• Erwachsenenbildung (Umschulungen, Computerkurse, Vorträge etc.)

 

Durch die sich verbessernde Bildungssituation der Gehörlosen ist dieser Bereich der am stärksten wachsende, vor allem in den Ballungszentren, besonders in Wien. Es gibt heute schon einige gehörlose StudentInnen an den Universitäten, die DolmetscherInnen für Vorlesungen bestellen und auch die Zahl der gehörlosen Erwachsenen, die berufliche Weiterbildungen besuchen, steigt von Jahr zu Jahr. Weiters werden DolmetscherInnen vermehrt auch in Pflichtschulen (Integrationsklassen) und in Berufs- und Fachschulen eingesetzt.

 

Gerichtsdolmetschen

• bei Gerichtsverhandlungen

• bei der Polizei

• bei Anwälten u.ä.

 

Kultur und Freizeit

• Museumsführungen

• TheateraufführungenSport

• Eröffnungen von Festivals

• Ausstellungseröffnungen

• Besuch von Vorträgen

• Stadtführungen

• Reiseleitung

• Sportveranstaltungen u.ä.

 

Dolmetschen in Gehörlosenvereinen

• Ansprachen bei Veranstaltungen

• Vorträge

• Subventionsverhandlungen etc.

 

Konferenzdolmetschen

• Konferenzen

• Kongresse

• Workshops etc.

 

Mediendolmetschen

• im FernsehenKONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

• im Radio u.ä.

Von Mai 1996 bis Sommer 2009 wurden regelmäßig die Moderatoren der „Wochenschau“ in ORF2 gedolmetscht. Seit Juli 2005 wird täglich die „Zeit im Bild 1“ um 19:30 Uhr auf ORF 2E (nur über digitalen Satelliten und einige Kabelanbieter empfangbar) gedolmetscht, auch im Internet unter http://tvthek.orf.at abrufbar.

 

Dolmetschen mit Doppelbesetzung

Dolmetschen ist eine Tätigkeit, die in jedem Setting eine hohe Konzentration erfordert. Diese Konzentration kann natürlich nur für eine bestimmte Zeit aufrechterhalten werden, daher arbeiten DolmetscherInnen in der Regel ab einstündigen Einsätzen in Doppelbesetzung (zu zweit im Team).

Bei Gesprächen mit einer sehr hohen Informationsdichte kann auch bei Einsätzen mit einer Dauer unter einer Stunde eine Doppelbesetzung nötig sein. Bei großen Veranstaltungen (z.B. Kongressen) oder Podiumsdiskussionen mit gehörlosen TeilnehmerInnen im Publikum und auf der Bühne kann das DolmetscherInnen-Team auch aus drei oder mehr KollegInnen bestehen.

Gebärdensprachdolmetschen bringt im Vergleich zum Dolmetschen zwischen zwei Lautsprachen auch spezielle körperliche Belastungen mit sich, die auch zu Berufskrankheiten führen können. Das so genannte „Dolmetschen in manuelle Kommunikationssysteme“ ist eine einseitig belastende Tätigkeit mit vielen Wiederholungen (=hoch repetitiv) unter hoher Konzentration und Anstrengung. Um ernsthafte Erkrankungen möglichst zu vermeiden, sollte Gebärdensprachdolmetschen nur mit gewissen zeitlichen Beschränkungen ausgeführt werden und die DolmetscherInnen müssen auf Ausgleich und Erholung achten.